PRAXISTEST – FORMATT HITECH VS. LEE FILTER

In der digitalen Fotografie herrscht vielfach die Meinung, dass Filter wegen der nachträglich Bildbearbeitung am Computer nicht mehr nötig seien. Es gibt jedoch zwei Filter, welche nach meinen Erfahrungen nicht durch die Bildbearbeitung ersetzt werden können, nämlich der Neutralgraufilter (ND) mit- oder ohne Verlauf und der Polarisationsfilter (POL). Diese beiden Filter verwende ich oft in der Landschafts- und Architekturfotografie um zum Beispiel den Dynamikumfang zu erweitern. In diesem Beitrag geht es nun primär um den Neutralgraufilter vom Typ ND 3.0.

 

Der Lee Filter „BIG Stopper“

Ich habe bereits einige Filter getestet und bin vor einigen Jahren schlussendlich bei der Marke Lee gelandet. Die Firma Lee nennt ihren ND 3.0 Filter liebevoll „BIG Stopper“, welcher die Belichtungszeit um 10 Blenden-Stufen verlängern soll. Ein gosser Nachteil von solchen Lichtschluckern ist, dass es zu Farbverschiebungen kommen kann. Leider gehen bei meinem BIG Stopper diese Farbverschiebung etwas zu extrem ins blau/violette, was einen grossen Zeitaufwand für die Korrektur bei der Bild-Entwicklung beansprucht.

Making of Test Format Hitech Filter

Vor einigen Monaten hatte ich nun in einem Bericht gelesen, dass die Firma Hitech aus England einen ND 3.0 Filter herstellen kann, bei dem diese Farbverschiebungen nur in geringem Ausmass auftreten sollten. Also habe ich im Dezember 2013 kurzerhand einen ND 3.0 und einen ND 1.8 Filter aus England geordert. Leider hatte es die Königs-Post (Royal Mail Airsure) jedoch nicht geschafft, diese beiden Filter in die Schweiz zu liefern. Das Paket ist irgendwo im Nirvana verschwunden. Die Firma Hitech hat jedoch nicht lange gezögert, und erneut eine Sendung mit den beiden Filtern aufgegeben. Diesmal hat die Lieferung geklappt und ich konnte die beiden Filter nach nur 4 Tagen ab Versanddatum letzte Woche in Empfang nehmen.

 

Test Lee Filter „BIG Stopper“ vs. Hitech ProStop IRND 10

Nun, am vergangenen Wochenende hatte ich mir die Zeit genommen, diese beiden Filter in einem Test gegeneinander antreten zu lassen. Als Bildkomposition für den Test wählte ich im Vordergrund den Rhein und Bad Säckingen mit dem Fridolinsmünster im Hintergrund. Für den Test verwendete ich als Kamera die Canon 5D Mark III mit dem Canon TS-E 24mm F/3.5L II Objektiv auf dem Gitzo-Stativ GT3541L und dem Kugelkopf Classic Ball 5 von Novoflex. Wie immer bei Langzeitbelichtungen messe ich die Belichtungszeit mit der Kamera bevor ich die Filter vor dem Objektiv befestige. Ich wählte dabei im Zeitautomatik-Modus die Blende 7.1, wobei mir die Kamera bei ISO 100 eine Belichtungszeit von 1/30 Sekunde errechnete. Wenn man diese Zeit nun um 10 Blendenstufen verlängert, erhält man eine Belichtungszeit von 30 Sekunden. Ich wechselte also in den manuellen Modus und stellte die Werte f7.1 / 30s / ISO100 in der Kamera ein. Danach machte ich zuerst mit dem Hitech ProStop IRND 10 eine Aufnahme und wechselte danach zum Lee Filter „BIG Stopper“. Beim Hitech ProStop IRND 10 gelang mir auf Anhieb eine optimal belichtete Aufnahme, wobei beim Lee Filter „BIG Stopper“ das Bild total unterbelichtet war. Die Erfahrung, welche ich mit dem BIG Stopper bisher gemacht hatte, gab mir wiederum recht, dass ich die Belichtung nicht um 10 sondern um 11 Blendenstufen erhöhen muss, um ein optimal belichtetes Foto zu erhalten. Also verlängerte ich die Belichtungszeit beim BIG Stopper um eine weitere Blendenstufe von 30 auf 60 Sekunden, danach war auch bei diesem Foto die Belichtung optimal. Die Belichtung kontrolliere ich übrigens bei Langzeitbelichtungen mit dem Histogramm.

 

Die beiden Fotos im Vergleich

Anbei seht Ihr nun die beiden Fotos im Vergleich. Beide Bilder sind unbearbeitet ooc (out of Cam) und wurden nur in Lightroom vom RAW ins JPG umgewandelt. Zuerst das Foto mit dem Lee „BIG Stopper“ und danach das Foto mit dem Hitech ProStop IRND 10. Der Vergleich zeigt klar, dass der Hitech ProStop IRND 10 die Farben realistischer dar gibt und beim Lee Filter „BIG Stopper“ die Farbverschiebung doch enorm ins blau/violette gehen. Ebenfalls habe ich den Eindruck, dass bei der 100%-Ansicht am Computer die Gebäudekanten beim Hitech ProStop IRND 10 etwas schärfer gezeichnet sind und beim Lee Filter „BIG Stopper“ leichte Säume wie bei einer chromatischen Aberration entstehen.

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Testbild mit Lee Big Stopper – f7.1/58s/Iso100/24mm

 

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Testbild mit Hitech ProStop IRND 10 Filter – f7.1/33s/Iso100/24mm

 

Fazit

Ich bin dich etwas erstaunt über den grossen Unterschied in der Farbverschiebung der beiden Filter, die Firma Hitech hat da nach meinem Empfinden die bessere Arbeit geleistet. Ob ich nun meinen Lee „BIG Stopper“ behalten werde oder ob er nun zum Verkauf ansteht, dazu habe ich mich noch nicht entschlossen. Kaufwillige können sich jedoch mal bei mir melden ; ) Fakt ist, dass ich in Zukunft wohl eher mit den Filtern der Firma Hitech arbeiten werde. Auch die Filter ND 0.3 bis ND 0.9 sind unterdessen aus England bei mir eingetroffen.

Zum Schluss zeige ich Euch nun aber noch das finale Bild mit einer Schwarz/Weiss-Konvertierung und einer starken Vignettierung.

 

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Bad-Säckingen, Deutschland – mit dem Wahrzeichen der S27adt, dem Fridolinsmünster. Die Klosterkirche wurde im romanischen Stil erbaut, im 14. Jahrhundert nach einem Brand im gotischen Stil wieder errichtet und im 17. und 18. Jahrhundert mit Elementen des Barockstils erneuert.

In diesem Sinne…
Lg Patrik

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